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19.05.2015

"Geologie schmackhaft gemacht"


Auch in diesem Jahr konnte die Verwaltung des Naturparks Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale wieder zwei Fachleute gewinnen, die die jährliche Wanderung geführt und geologische Besonderheiten gezeigt und erklärt haben. Dr. Matthias Mann, Geologe aus Jena, und Martin Weber vom Schiefermuseum in Ludwigsstadt erläuterten an ca. 15 Stationen am Schieferpfad vorkommende Geotope und Gesteinsarten, deren Entstehung und die erdgeschichtliche Entwicklung des Gebirges in der Schieferpfad-Region. Getreu nach dem Schieferpfad-Motto "Jetzt noch schiefer" ging es von Beginn an auch gleich steil bergauf.
Verschiedene Arten des Schiefers, wie der bekannte blaue Stein, aus dem der Dachschiefer hergestellt wird, und weniger bekannte Arten wie der dunkle Lederschiefer, der in Gräfenthal anliegt oder auch der hellglänzende Phycodenschiefer und der Kalkknotenschiefer wurden hier nicht nur abgebaut, sondern auch als Bausteine verarbeitet. Schloß Wespenstein entstand aus anstehendem Gestein direkt vor Ort. Die Kirche hat eine Mauer aus Ockerkalk und einen Torgang aus glattem Schieferfelsen. Der Ocker wurde noch bis ins Jahr 1908 im Steinbachtal in einer Ockerwäscherei ausgewaschen. Am Kriegerdenkmal sieht man eine ganze Auswahl an Gesteins- und Mineralienarten, von den Treppenstufen aus Phycodenschiefer bis zu den oberen Steinen aus Kulm- Schiefer mit Siderit, Eisenstein, Pyritkristallen und Quarzadern.       
Besonders anschaulich stellte Dr. Mann die Faltung des Schiefergebirges dar, die, wie bei dem bekannten Geotop "Bohlen" bei Saalfeld sichtbar, nach der Gebirgsfaltung noch horizontal mit Zechsteinkalken bedeckt wurde. Anhand eines, wie Dr. Mann betonte, selbst gebackenen Kuchens, der vor aller Augen längs geteilt wurde, konnte man sich davon ein Bild machen, wie es im Erdinneren aussieht, wenn Kräfte die Gesteinsschichten zusammendrücken, so dass sie sich auffalten. "Geologie schmackhaft gemacht" bemerkte eine Teilnehmerin treffend, nachdem der Bohlen-Kuchen aufgeteilt und verspeist wurde.
Die Wanderung endete an einem weiteren imposanten Bauwerk in Gräfenthal, ebenfalls aus einheimischen Gestein gebaut. Der das Tal durchquerende Viadukt wurde 1898 aus Kalkknotenschiefer gebaut und gehört in eine Zeit, wo die Eisenbahn wirtschaftliche Entwicklung ermöglichte und erste Touristen die Gegend erkundeten.
Bettina Thieme, zertifizierte Naturführerin aus Gräfenthal und Siegfreid Scheidig aus Ludwigsstadt trugen mit ihrem geschichtlichen Wissen und ihren Ortskenntnissen wesentlich zum guten Gelingen der Wanderung bei. Frau Thieme lädt auch gleich zu einer weiteren Wanderung am Schieferpfad ein, die am 16. Mai 2015 um 10 Uhr in Gräfenthal startet und zu einem Teichfest und zu einer Ausstellung führen wird. Sie sind wieder herzlich dazu eingeladen!