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Weitere Sensation im Geopark: Funde in Ranis schreiben Menschheitsgeschichte um

Lehesten/Ranis. Nach der Sensation im vergangenen Jahr, als in Ludwigsstadt Gesteinsschichten aus dem Erdzeitalterübergang Ordovizium-Silur (443 Millionen Jahre vor heute) freigelegt worden waren, kommt nun die Sensationsmeldung aus dem "Zechsteinland" im Norden des Geoparks:  Die wissenschaftliche Auswertung neuester Knochenfunde aus der Ilsenhöhle im Riff des Burgberges in Ranis belegt, dass der moderne Mensch Nordeuropa weit früher besiedelt hat, als bisher angenommen. Danach waren die ältesten bekannten Jetztmenschen nördlich der Alpen zumindest sporadisch bereits vor 47.500 Jahren* in Ranis anwesend.

 

Nach den bekannten Grabungen in den 1930er Jahren, deren zahlreichen Funde überwiegend in Halle/ Saale lagern und teils auch im Museum Burg Ranis präsentiert werden, führten Tim Schüler vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) und Marcel Weiß vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Leipzig als Projektleiter zusammen mit einem internationalem Studenten- und Forscherteam 2016-2021 jeweils in den Sommermonaten erneute Grabungen an der Ilsenhöhle durch. Sie drangen dabei bis in eine Tiefe von 8 m vor. Es waren Gesteinsbrocken eines vor ca. 20.000 Jahren eingestürzten Teils der Höhlendecke mit einem Verfahren spezieller Bohr-Spreng-Technik, vermittelt durch den bekannten Pantäologen Professor Jörg W. Schneider an der TU Bergakademie Freiberg/ i. S., zu zerkleinern und nach oben zu hieven. Die darunter geborgenen Knochenfragmente konnten von einem internationalen Forschungsteam mittels modernster Verfahren der DNA- und Altersbestimmung eindeutig dem Homo sapiens und der Zeit vor 47.500 - 45.000 Jahren zugeordnet werden. 

 

Bisher hatten die Archäologen angenommen, dass der ebenfalls auf Afrika stammende moderne Jetztmensch erst später als vor 40.000 Jahren aus Vorderasien über die Balkanroute nach Europa eingewandert war. Die wohl schönste und größte in der Ilsenhöhle gefundene bifazielle Blattspitze - Leitobjekt der Dauerausstellung "Blick in die Eiszeit" im Museum auf Burg Ranis -, war auf ein Alter von 40.000 Jahren datiert und deshalb bisher dem Neanderthaler zugeordnet worden. Sie ist übrigens seit drei Jahren mit weiteren Raniser Exponaten in einer internationalen Ausstellung in Skandinavien unterwegs und nun, im Ergebnis der sensationellen archäologischen Erkenntnisse, eindeutig dem Homo sapiens zuzuordnen.

 

Die neuen Erkenntnisse werden nach vollständiger Auswertung in die 2018 eröffnete Dauerausstellung "Blick in die Eiszeit" (siehe Foto) des Museums Burg Ranis einfließen. Darüber waren sich die Mitglieder des Fachbeirates zur Museumsneugestaltung unter Leitung des früheren Raniser Bürgermeisters Andreas Gliesing und der damaligen Projektmanagerin Andrea Riedel bereits zu Beginn der neuen Grabungen 2016 einig. Tim Schüler und Marcel Weiß, Kuratoren der Ausstellung und Beiratsmitglieder, hatten dann 2022 erste vorsichtige Andeutungen hinsichtlich "neuester Erkenntnisse" aus den laufenden Grabungen gemacht.  Der wissenschaftlichen Mitarbeiterin im Museum, Josephine Schubert und dem Museumsplaner Hans-Ulrich Werchan aus Halle/ Saale stehen für die anstehende Erweiterung der Ausstellung mit dem seitens der Thüringer Staatskanzlei 2022 bewilligten Projekt "Fit für die Zukunft" Finanzmittel aus dem Sonderinvestitionsprogramm des Bundes zur Verfügung. 

Mit der Präsentation der sensationellen Grabungs- und Forschungsergebnisse der Archäologen, den beiden attraktiven Dauerausstellungen im Museum, sowie den geophysikalischen Bausteinen der umfangreichen Sammlung von seismografischer Gerätetechnik und der in das Thüringer Netz eingebundenen Messstation im Südflügel der Burg hat der Museumsstandort das Potenzial, sich zu einem Geo-Museum Thüringens zu entwickeln.

 

Die Riffe der Orlasenke entstanden vor 258-252 Millionen Jahren im geologischen Erdzeitalter des Zechsteins, als Mitteleuropa wiederholt von einem Meer überflutet war.  Ihre Entstehung ist in der ebenfalls 2018 eröffneten Dauerausstellung "Geologie und Bergbau der Orlasenke" des Burgmuseums eindrucksvoll dargestellt. Die über Jahrmillionen durch Verwitterung entstandenen Spalten und Höhlen in den Riffkörpern boten schon den altsteinzeitlichen Jägern Unterschlupf. Dabei hatten sie sich neben deutlich kälteren Klimabedingungen auch nahrungskonkurrierenden Raubtieren wie Höhlenhyänen, Wölfen und Bären zur Wehr zu setzten.

 

* Ergebnis der Radiokarbondatierung

 

[Foto: Blick in die Raniser Eiszeit-Ausstellung, A. Gliesing]

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